Leser Helfen 2018

______________________________________________________________________________________________________
Benefizaktion der Mittelbadischen Presse

Ausstellung »Frau sein« sammelt Spenden für Leser Helfen

Autor: Thomas Reizel

Lesezeit 2 Minuten

05. Dezember 2018

Künstlerin Anette Isabo präsentiert während des Biberacher Adventsmarkts im Heimatmuseum »Kettererhaus« einige ihrer Ölgemälde. Sie nennt die Ausstellung »Frau sein«. Das Bild zeigt eine energiegeladene Frau, die zum Himmel strebt, aber dennoch wie ein Baum Kraft und Halt aus der festen Verwurzelung im fruchtbaren Boden zieht. Manuela Richter unterstützt ihre Schwester mit dem Ausschank von Getränken. ©Thomas Reizel

Anette Isabo, ausgebildete Malerin und Kunsttherapeutin, unterstützt die »Leser helfen«-Aktion der Mittelbadischen Presse mit ihrer Ausstellung »Frau sein«. Einen Teil der Einnahmen spendet sie zugunsten des Frauenhauses

Anette Isabo hatte am Sonntag ihre Vernissage im Biberacher »Kettererhaus«. Während des Weihnachtsmarkts auf dem Platz gegenüber des Rathauses, der noch an den drei folgenden Freitagen jeweils von 17 bis 21 Uhr, stattfindet, präsentiert die bildende Künstlerin und ausgebildete Kunsttherapeutin im Heimatmuseum rund 20 Ölgemälde, viele unter dem Titel »Frau sein«.

Auf die Idee, diese Aktion »Leser helfen« zugunsten des Frauenhauses zu widmen, hat sie eine Freundin gebracht. Anette Isabos Schwester Manuela Richter schenkt Sekt und Orangensaft für den guten Zweck aus.

Inneres sichtbar machen

»Das Thema ›Frau sein‹ ist immer eines für mich. Ich sehe die Frau in ihrer ganzen Kraft, sie schwebt, sie ist verwurzelt, sie steht für den Stammbaum einer Familie«, sagt die Künstlerin, die in Biberach ein Atelier hat. Sie bietet Kurse für Kinder und Erwachsene an, zeichnet und malt im ehemaligen Gengenbacher Klinik-Café »Rondo« mit Senioren, teilweise an Demenz erkrankten und gestaltet im Fußbacher Pflege- und
Betreuungsheim das Projekt »Kunstschmiede«, also kreative Therapieangebote, mit den Bewohnern in einer Gruppe.

Außerdem arbeitet sie an der Hector-Kinder-Akademie in Lahr-Mietersheim. »Es ist immer wieder schön zu sehen, welche inneren Bilder eines Menschen Kunst sichtbar machen kann«, erzählt die Mutter von drei Kindern.Anette Isabo verwendet einerseits viele pastellige Farben und verleiht ihren Frauen auf den Bildern somit Zartheit und Verletzlichkeit, anderseits arbeitet sie mit kräftigen und leuchtenden Farben als Symbole für Energie, Mut und Aufbruch. Das alles sind Themen, die auch das Frauenhaus betreffen. Deshalb spendet die Biberacherin Anette Isabo pro verkauftem Bild zehn Prozent. Hinzu kommt der Erlös aus der Bewirtung.

 

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

______________________________________________________________________________________________________

Vom Partner geschlagen

„Leser helfen“: So kam Derya ins Frauenhaus in Offenburg

Autor: Ursula Groß

Lesezeit 4 Minuten

01. Dezember 2018

Die erste Offenburger »Frauen-Haus-Geburt« in 30 Jahren: Deryas Tochter Leyla (Name von der Redaktion geändert) hatte es besonders eilig, in einer sicheren Umgebung zur Welt zu kommen. Ihr gewalttätiger Vater kann ihrer Mutter im Frauenhaus nichts mehr antun. ©Frauenhaus

Wie wichtig das von der »Leser helfen«-Aktion unterstützte Frauenhaus für Hilfe suchende Frauen ist, zeigt die Geschichte von Derya. Sie flüchtete vor ihrem gewalttätigen Partner und fand Hilfe in Offenburg. Für ein zweites Frauenhaus benötigt der Trägerverein Frauen helfen Frauen Ortenau 150 000 Euro.

»Du bist im Frauenhaus in Offenburg auf die Welt gekommen«, wird Derya (40) ihrer acht Jahre alten Tochter einmal erklären. In einem Haus, wo die türkischstämmige Frau Fürsorge erfuhr, wo sie keine Angst mehr haben musste, ruhig schlafen konnte. Als Derya zum Gespräch ins Büro des Vereins »Frauen helfen Frauen« kommt, um ihr Schicksal für die Aktion »Leser helfen« zu schildern, gibt es herzliche Umarmungen. Alle erinnern sich noch, wie das im Februar 2013 war. Zum 30. Jubiläumsjahr »30 Jahre Frauenhaus Ortenau« gab es die erste Hausgeburt.

»Die Sanitäter wollten mich noch ins Krankenhaus fahren, aber als ich vor der großen Treppe im Frauenhaus stand, wusste ich, das schaffe ich nicht mehr. In Betreuung von Notarzt, Sanitätern, Hebamme und den Mitarbeiterinnen vom Frauenhaus brachte ich meine Tochter zur Welt«. Die hochschwangere Frau war kurz zuvor aus einem anderen Bundesland ins Frauenhaus in Offenburg vermittelt worden. Überbelegung oder Ortswechsel, um Frauen und Kinder aus der gefährlichen Umgebung herauszubringen, sind Gründe von Verlegungen, erklären die Mitarbeiterinnen von »Frauen helfen Frauen«.

»Eine Frau ist Besitz«

»Ja, ich habe vier Kinder (elf, acht, fünf und zwei Jahre alt) vom gleichen Partner«. Wie es kam, dass nach dem etwa einjährigen Aufenthalt im Frauenhaus das vierte Kind auf die Welt kam, das ist eine lange Geschichte. Mitleid kommt darin vor, Unsicherheit und Hoffnung, dass alles besser wird. Der leidvolle Weg von Derya begann schon in ihrer Kindheit. Im Elternhaus hatte ihr Vater die Mutter verächtlich behandelt. Nach außen Fassade, im Inneren der Familie Machtmissbrauch – »eine Frau ist Besitz«.

Als Derya ihren Partner wählte, brach der Rückhalt von Eltern, Geschwistern, Freunden und Umfeld völlig weg. »Ich wurde ausgestoßen«. Eine Ursache, vermutet sie, war die Herkunft des Partners aus dem nichteuropäischen Raum. Er hatte selbst eine schwierige Kindheit, weiß Derya. Trotzdem: »Ich hatte immer gehofft, er würde seine Vaterrolle annehmen«. Doch die Hölle begann erst recht. Gewalttätigkeiten kamen bereits in der ersten Schwangerschaft vor. »Er trat mir in den Bauch«. Als das Kind da war, »schlug er mich beim Stillen«.

Unvorstellbare Methoden der Gewalt prasselten in den nächsten Jahren auf die Frau ein. Etwa die »Foltermethode Schlafentzug«, sagt sie leise. »Mitten in der Nacht riss er meine Bettdecke weg, weil er das Sorgerecht für die Kinder wollte«. Schlagen, Kneifen, Einsperren, grundlos, unvermittelt – es fällt Derya schwer, darüber zu reden. Mehrere Male saß der Mann ein, er hat draußen wohl einige Dinge gedreht. Derya sagt, dass sie nichts davon wusste. Er sei sehr unregelmäßig bei der kleinen Familie aufgetaucht, keiner wusste, wo er sich herumtrieb. »Als er aus dem Gefängnis herauskam, da hatte ich Mitleid mit ihm«, schildert sie. Sie glaubte, ihm helfen zu müssen, auch um der gemeinsamen Kinder wegen.

Die Situation verschlimmerte sich jedoch so heftig, dass sie an Selbstmord dachte. Nur die Sorge um ihre Kinder habe sie am Leben gehalten. Gleichzeitig wollte sie weg, wusste aber nicht wohin und wie sie das alles schaffen sollte. Mit letzter Kraft entschloss sie sich, die Beratungsstelle von »Frauen helfen Frauen« aufzusuchen.

Das Netzwerk des Vereins mit sozialen, rechtlichen und therapeutischen Maßnahmen wurde in Gang gesetzt, um zu helfen. »Ich ging auch wegen der Kinder in das Frauenhaus«. Inzwischen hat der Mann Annäherungsverbot. Der Albtraum ist vorbei. Die Zeit im Frauenhaus mit ihrer vielfältigen Hilfe hat Derya stark gemacht. Die Kinder sind wohlauf und gedeihen gut, schmunzelt sie nun doch ein bisschen.

 

Spenden für »Leser helfen«

Aktueller Spendenstand: 31.979 Euro

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

______________________________________________________________________________________________________

Kita Renchen-Erlach

Kinder verschenken für „Leser helfen“ Lieblingsspielsachen

Autor:
Ursula Groß

Lesezeit 2 Minuten

Jetzt Artikel teilen:
28. November 2018

Stolz zeigen die Kinder der Kita Renchen-Erlach ihre Spielsachen, die sie den Kindern im Frauenhaus überlassen möchten.

Stolz zeigen die Kinder der Kita Renchen-Erlach ihre Spielsachen, die sie den Kindern im Frauenhaus überlassen möchten. ©Ulrich Marx

 

Die Kinder der Kita Renchen-Erlach haben im Rahmen der Aktion »Leser helfen« zugunsten des Vereins Frauen helfen Frauen ihre liebsten Spielsachen verschenkt. Ein weiterer Ansporn, um die benötigten 150 000 Euro zu erreichen, gesammelt wurden bisher 24.000.

Eine liebe Idee zur Aktion »Leser helfen« zugunsten des Vereins Frauen helfen Frauen kam von der Kindertagesstätte Renchen-Erlach. Die Kinder verschenkten ihre Lieblingsspielsachen an die Kinder im Frauenhaus. Als die St. Martins-Geschichte im Jahresreigen der Kita stand, hatten die Erzieherinnen Ramona Feißt und Laura Bernhard ihren Schützlingen erklärt, was es mit dem Schenken auf sich hat.

Man teilt mit den Armen, so wie St. Martin. »Ja, und wo sind denn Arme hier bei uns?«, konnten sich die Kleinen nicht gleich vorstellen. »Nun, da sind Kinder, ganz in unserer Nähe, denen es oft nicht so gut geht«. Spontan hätten die Vier- bis Sechsjährigen dann reagiert. »Wir wollen den Kindern was von unseren Spielsachen abgeben«. Im Elternbrief baten die Erzieherinnen um Zustimmung zu einer ganz besonderen Aktion. Und so kam es vergangene Woche zu einer echten Spendenübergabe mit der Kinderabordnung der Kindertagesstätte. Die kleine Truppe hatte Kisten und Säcke nach Offenburg geschleppt.

Fragestunde der Kinder

In der Geschäftsstelle des Vereins empfang sie Geschäftsführerin Monika Strauch mit Saft und Keksen. Und dann ging eine kleine Fragestunde los. Da war Fingerspitzengefühl gefragt, kindgerecht wurde erklärt, dass es manchmal in Familien Streit gäbe. Dass Mama und die Kinder wo anders hinziehen müssten. »Was machen die Kinder dann dort?« fragte Benjamin (6). »Sie gehen zur Schule oder in den Kindergarten, so wir ihr«, so Strauch.

Ob die Kinder auch spielen dürften oder ob sie was zum Essen und Trinken bekämen, das waren schon drängende Fragen der Kinder. »Ja, freilich, wir machen was zusammen, wir malen, spielen, backen Brötchen, unternehmen kleine Ausflüge«, wurden sie aufgeklärt. So ganz klar wurde das den Kindern aber wohl nicht, denn wenn man von daheim wegmuss, das ist doch überhaupt nicht gut, fanden zwei Mädchen. Doch dann mussten alle Kinder lachen.

Weil sich die Mitarbeiterinnen des Vereins Frauen helfen Frauen so sehr über die schönen Geschenke freuten. Stolz erzählten die Kinder, dass in den vielen Kisten mit Kleidern und Spielzeug auch ihre Lieblingsspielsachen versteckt seien. Der kleine rote Plüschfuchs etwa, der aus einer Schachtel lugte.

Info

Das verschenken die Kinder:

  • Aylin (5): Ich schenke einem Mädchen meinen Fingerring und eine Hose.
  • Ben (6): Was zum Musikmachen (ein Xylophon). Mama hat mir beim Aussuchen geholfen.
  • Benjamin (6): Was Eingepacktes, nämlich das Lego-City-Set. Das habe ich doppelt zu meinem Geburtstag bekommen.
  • Alina (6): Mama hat extra ein neues Buch gekauft. Ich glaube, die Kinder, die die Geschenke kriegen, die lesen auch gerne. Und ein T-Shirt.
  • David (4): Drei Bücher, ein Pulli, ein Schlafanzug und eine Hose. Das passt mir halt nicht mehr.
  • Klara (4): Mein Bandolino und mein Buch, nämlich das von der Weihnachtswerkstatt, da wo die Engel Brödle backen.

 

Spenden für »Leser helfen«

Aktueller Spendenstand: 24.161 Euro

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

 ______________________________________________________________________________________________________
Ortenau

Heiz-Desaster im Offenburger Frauenhaus

Autor: Ursula Groß

Lesezeit 3 Minuten

Jetzt Artikel teilen:
24. November 2018

Weil der Heizkessel im Offenburger Frauenhaus seinen Geist aufgegeben hat, mussten die 13 Kinder mit Wärmeflaschen geschützt werden. Geschäftsführerin Monika Strauch war dabei als Krisenmanagerin gefragt. ©Frauen helfen Frauen Ortenau e.V.

Mitten in unsere Weihnachtsaktion »Leser helfen« zugunsten eines erweiterten Frauenhauses platzte am Donnerstag die Hiobsbotschaft: Die Heizung ist »hinüber«. Glücklicherweise hat die Offenburger Heizungsbaufirma Straube schnell reagiert und eine neue aufgebaut und dazu noch 500 Euro gespendet. Dennoch sind Spenden für das große Ziel nötiger denn je: 150  000 Euro werden benötigt, 20 000 sind erreicht.

»Auch das noch…«, seufzt Monika Strauch ganz tief. Nun ist die Geschäftsführerin des Vereins Frauen helfen Frauen nicht eine, die in Zuckerwatte gepackt ist. Eine, die Herausforderungen von Berufs wegen nicht bewältigen kann. Aber dass nun die gesamte Heizungsanlage im Frauenhaus zusammengebrochen ist, das bringt sie trotz der beißenden Kälte zu nahezu panischen Schweißausbrüchen.

Der 20 Jahre alte Heizkessel hatte Haarrisse, das Öl tropfte in die Bodenwanne, die gesamte Heizanlage musste vor fünf Tagen abgeschaltet werden.  Da war nichts mehr zu machen, der Heizungsbauer wurde umgehend alarmiert. Und – der kam sofort! Die Firma Sanitär und Heiztechnik Straube aus Offenburg hat die Not sofort erkannt und  alle Hebel in Bewegung gesetzt, um möglichst schnell eine neue Heizung zu ordern, einzubauen und in Betrieb nehmen zu können. »Nach Rücksprache mit Herrn Straube erhalten wir zu dieser schnellen Hilfe zudem eine Spende von 500 Euro«, freut sich Monika Strauch.

Zum Glück. Denn derzeit ist das Frauenhaus mit 13 Kindern belegt, darunter sind die allermeisten Kleinkinder, mit einem acht Monate alten Baby und einer hochschwangeren Frau. Es herrscht dazu Vollbelegung, wie immer. »Wir versuchen, uns in der Ausfallzeit so gut wie es eben geht zu behelfen.« Hauswirtschafterin Karin Homberg hat Wärmflaschen eingekauft, Fachberaterin Anna Staiger brachte einen Radiator von zu Hause mit. Decken, Socken, Pullover und Wärmflaschen sind im Einsatz, jede Mitarbeiterin hat etwas Wärmendes mitgebracht. Das Baby hat es also warm im Bettchen.

Ausfall der Heizung problematisch

In der Not war eine ganz besondere Art des Aufwärmens im Einsatz. »Wir haben Plastikflaschen mit heißem Wasser befüllt, die man an den Körper legen kann«, erzählt Monika Strauch. Der Ausfall der Heizung ist nicht nur wegen der frostigen Temperaturen problematisch. Auch der Jahresetat des Vereins Frauen helfen Frauen bekommt kalte Füße. Er schwächelt regelmäßig zum Jahresende hin. Rund 11.000 Euro stehen auf dem Kostenvoranschlag des Heizungsbauers, und die müssen gestemmt werden.

Wärme und Hoffnung in das ganze Unglück bringen die Spender der Aktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse, die noch bis Dreikönig läuft und für eine dringend benötigte Erweiterung des Frauenhauses gedacht ist. »Wir freuen uns so sehr über jeden Betrag der Leser«, dankt Monika Strauch. Doch statt für die Einrichtung von 20 Zimmern, Aufenthaltsraum, Küchen, Anschaffung von Spielgeräten und Spielplatz draußen und zwei Fahrzeugen »werden wir einen Teil der Spenden nun in die Heizung investieren müssen«, so Strauch.

Info

Die aktuellen Spender

Uwe Zeibig, Georg Schmid, Ernest und Erika  Holtzhauer, Stefan Leithi, Margareta Kreiner, Lydia Bayer, Giesela Lammche, Gerhard und Brigitte Zeeb, Bianka Kempf, Hedwig Matt-Disch, Manfred und Ilse Doll, Karl und Ursula Benz, Christiane Heinze, Waltraud Huber, Hans-Otto und Monika Schaub, Kurt Weber, Raiffeisen-Kraftfutterwerk Kehl GmbH, Günther und Gabriele Appenzeller, Norbert Häring, Hansjörg und Herta Stürze, Familie Kipper und Jakob, Erna und Gert Bornhäuser, Ingrid Werner, Frauengemeinschaft Herz-Jesu, Sabine Hasler, Ute Villing, Beate Schütt, Ursula Maier, Monique Hezel-Reyntjens, Rita Spinner, Norbert und Christa Hertle, Maria Schillinger, Annedorle Schick-Wanjek, Dr. Dieter Petri, Ines und Edmund Benz, Kurt und Patricia Fischer, Elisabeth Übel, Petra Braun, Karlheinz und Barbara Hillenbrand, Gemeinschaftspraxis Dr. Stephen Müller und Michael Schulze (Oberkirch), Rainer Plöger (Kehl-Auenheim).

Spenden für »Leser helfen«

Aktueller Spendenstand: 20.229 Euro

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

 ______________________________________________

Benefizaktion zugunsten des Frauenhauses

Autor:  Ursula Groß

Lesezeit 4 Minuten

21. November 2018

Einsamkeit: Der kleine Jan (7) hat dieses Bild im Frauenhaus gemalt, weil er »Mama in der Nacht bewachen« müsse. ©Ulrich Marx

Ein Frauenhaus ist immer auch ein Kinderhaus. Drei von vier Frauen, die dort Schutz vor häuslicher Gewalt suchen, bringen ihre Kinder mit. Und der Andrang ist groß in der Ortenau. Deshalb sammelt »Leser helfen«, die Weihnachtsaktion der Mittelbadischen Presse« in diesem Jahr für die Einrichtung einer dringend benötigten zweiten Frauenhauses in der Ortenau.

Wohin mit dem Neugeborenen, dem Dreijährigen, der Zehnjährigen? Das wird zu einer existenziellen Frage, bevor  eine gepeinigte Mutter aus dem Haus flüchtet. Familie und Bekannte haben sich zu diesem Zeitpunkt schon längst abgewandt. Ach was, wenn dem Mann mal die Hand ausgerutscht ist, das kann vorkommen, ist die nicht seltene Reaktion. Oder: Was die zuhause machen, geht uns nichts an. Kinder verstehen sowieso nicht, was da vor sich geht.

Die Erfahrung der Frauenhaus-Mitarbeiterinnen ist eine völlig andere. Kinder hören alles, spüren die Gefahrensituation intensiv, durchleben sie mit. »Wir haben hier Kinder, die erzählten, dass sie sich vor die Mutter gestellt haben, wenn der Vater oder der Lebensgefährte zuschlagen wollte.« Dass die Großen versuchten, ihre kleineren Geschwister zu schützen. Ihnen die Ohren zuhielten, sie ins Kinderzimmer schoben.

»Ich muss Mama in der Nacht bewachen«, glaubt Jan (7), der bis heute nicht in seinem eigenen Bett schlafen kann. Er hat in der Zeit im Frauenhaus ein Bild gemalt. Auf dem großen Gemälde sind keine Menschen zu sehen.  Nur ein rotes Auto, Wolken, Sonne, sonst Leere, eigentlich Einsamkeit. »Kinder werden im Frauenhaus als eine Gruppe mit eigenem Hilfsbedarf gesehen und unterstützt«, erklärt Wibke Kowalski (37). Die Sozialarbeiterin ist in Traumapädagogik geschult.

Die Kindergruppe war zum Beispiel im Jahr 2017 mit etwa 54 Kindern, darunter 31 Mädchen und 23 Jungen, belegt. »Wir konnten weitere 124 Frauen und 121 Kinder wegen Vollbelegung nicht aufnehmen«, berichtet Monika Strauch, Geschäftsführerin von Frauen helfen Frauen. Babys und Kindergartenkinder machen den größten Teil der betreuten Kinder aus. Dazu kommen Mädchen und Jungen bis ins Teeniealter.

Nahezu alle diese Kinder entwickeln psychosomatische Störungen, leiden unter Albträumen, nässen sich ein, sind angstvoll-angespannt, schuldbewusst. Sie stehen dazu zwischen den Eltern. »Ich habe doch Papa und Mama lieb.« Eine unerträgliche innere Anspannung überrollt die Kinder derart, dass sie wie unter ständiger Alarmstimmung stehen.

Im Frauenhaus gibt es ein Programm eigens für die Kinder. Psychotherapeutisch wird nicht betreut, das könne man hier nicht leisten. Doch die Kinder mit einem Umfeld aus Ruhe und Verlässlichkeit zu umgeben, mit ihnen einen kleinen Ausflug machen oder zu basteln, das alles gibt langsam Zuversicht, aus der Situation der Angst herauszukommen. »Sie dürfen spielen, über ihren Kummer sprechen, sie sollen wieder richtig Kind sein dürfen«, so Wibke Kowalski. Sie zeigt den Kindern auf, dass man Konflikte gewaltfrei lösen muss.

Starke Belastung von Kindern ist ein hohes Risiko dafür, dass sie als Erwachsene die erlebten Muster weitergeben. Zahlreiche Männer, die zuschlagen, waren selbst Opfer von Gewalt in ihrer Kindheit. In der Müttergruppe wiederum »versuchen wir die Frauen zu sensibilisieren für die Situation ihrer Kinder«, fügt Wibke Kowalski an. Wir helfen ihnen bei der Suche nach therapeutischen und pädagogischen Netzwerk-Angeboten für die Zeit nach dem Frauenhaus.

Was nun brauchen die vielen großen und kleinen Kinder im Frauenhaus? Einen sicheren Ort, wo die »Monster« nicht reinkönnen. »Nachts kommen die nämlich, deshalb habe ich ein Monster gemalt, das Zeichenblatt in eine Kiste gestopft und dann habe ich sie in die ganz heiße Sonne gestellt«, erzählte ein Kind in der Malstunde. Einen Ort der Verlässlichkeit, Verständnis, Vertrauen, Erfolgserlebnisse und viel Zeit benötigt die Arbeit mit den Kindern. Und einen Raum, der ihnen gehört.
Deshalb bittet »Leser helfen« um Spenden für die Erweiterung des Ortenauer Frauenhauses. Am dringendsten sind Möbel, Spielgeräte und zwei Fahrzeuge, davon ein Neunsitzer-Bus.

Info

Die „Nummer gegen Kummer“

Die Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser (LAG) hat »Sicherheitstipps für Mädchen und Jungen« herausgegeben. Darin ist die  die »Nummer gegen Kummer« zu finden: 0800/110333 (kostenlos) von montags bis samstags 14 bis 20 Uhr.

Spenden für »Leser helfen«

Aktueller Spendenstand: 17.044 Euro

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

_____________________________________________________________________________________________________

»Leser helfen«-Spenden: Die 10.000 Euro wurden erreicht

Autor: Wolfgang Kollmer

Lesezeit 2 Minuten

 
14. November 2018

Es wird dringend ein zweites Frauenhaus benötigt. ©Ulrich Marx

Die Benefizaktion »Leser helfen« kommt langsam in Fahrt. Mehr als 10.000 Euro stehen seit Dienstag auf den Spendenkonten. Geld, das für ein dringend erforderliches zweites Frauen- und Kinderschutzhaus in der Ortenau gebraucht wird. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: 150.000 Euro werden benötigt.

Seit nunmehr 21 Jahren setzt sich »Leser helfen«, die jährliche Benefizaktion der Mittelbadischen Presse, für Menschen in Not ein, indem es dringende Projekte unterstützt. Knapp drei Millionen Euro sind in dieser Zeit zusammen gekommen und haben viel Gutes bewirkt. Dass der Erfolg von »Leser helfen« auf einem breiten Spender-Fundament ruht, ist jedes Jahr eine wohltuende Erkenntnis.

Zu den traditionellen Unterstützern gehören auch dieses Jahr wieder die Organisatoren des Silvesterlaufes in Ebersweier (Start: 11 Uhr). Der SC Durbachtal ruft Läufer wie Walker auf und will die Einnahmen wieder in voller Höhe für »Leser helfen« spenden.

Wieder mit von der Partie ist auch das Hornensemble Offenburg/Ortenau des Musiklehrers Heiko Mazurek, das am 11. Dezember auf dem Offenburger Weihnachtsmarkt auftritt und musikalisch Spenden für »Leser helfen« sammelt (ab 18 Uhr).
Dass es dabei auf jeden Euro ankommt, zeigt ein Blick auf die Wunschliste des Vereins »Frauen helfen Frauen Ortenau e.V.«, der das Frauenhaus betreibt sowie das neue plant.

Rund 150.000 Euro sind vonnöten – für Zimmereinrichtungen, neue Küchen, Gemeinschaftsräume, Büros oder Spielgeräte für die Kinder, die mit ihren Müttern Schutz suchen. Dringend benötigt werden auch zwei Fahrzeuge: ein Neunsitzerbus und ein kleines Stadtauto für Behördengänge und ähnliches.

 

Spenden für »Leser helfen«

Aktueller Spendenstand: 10.450 Euro

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

______________________________________________________________________________________________________

 

Leser helfen

Notgemeinschaft: So mühsam ist der Alltag im Frauenhaus

Autor: Ursula Gross

Lesezeit 3 Minuten

 
10. November 2018

Der Weg zurück in die Normalität ist harte Arbeit. ©Ulrich Marx

Das Frauenhaus ist ein Schutzraum für Gewaltopfer. Freiwillig ist hier niemand. Doch beengte Verhältnisse sind nur eine Mühsal. Die Frauen müssen sich Schritt für Schritt wieder in die Normalität zurückkämpfen. »Leser helfen« hat ein dringend benötigtes zweites Frauenhaus in der Ortenau zum Ziel.

Das Frauenhaus ist eine Wohneinrichtung des Vereins »Frauen helfen Frauen Ortenau« mit angeschlossener Übergangswohnung. Wo sich dieser Schutzraum für Opfer häuslicher Gewalt befindet, wird aus Sicherheitsgründen streng geheim gehalten. Nur für die Aktion »Leser helfen« berichten die Verantwortlichen, Geschäftsführerin Monika Strauch, Sozialarbeiterin Marie Glaser und Hauswirtschaftsleiterin Karin Homberg, wie der Alltag für Frauen und Kinder dort aussieht.

Mütter und Kinder wohnen zusammen in den winzigen Zimmern. »Da muss man oft improvisieren«, erzählt Monika Strauch, Geschäftsführerin des Vereins Frauen helfen Frauen. Bis zur Decke reichen die Stock-Betten, Tisch und Stuhl komplettieren die Möblierung. Bisher sind es sechs Plätze im Haus und drei Plätze im Übergangswohnheim. Die sollen auf 20 Plätze aufgestockt werden. Und hier setzt der große Wunsch an die Leser um Spenden an: Das Frauenhaus braucht finanzielle Hilfe für Einrichtung von Zimmern, Gruppenraum, Küchen, eventuell für einen Spielplatz, für Fahrzeuge, Büroraum und den Hauswirtschaftsraum.

Die Tage im Frauenhaus sollen zurück in die Normalität führen: In die Zeit, als für die spätere Existenz vorgesorgt war. Das erscheint in den ersten Tagen schwierig, denn viele Frauen sind körperlich und seelisch vollkommen erschöpft. Und unselbstständig gemacht worden. »Ich habe eine 40-jährige Frau erlebt, die das erste Mal eine Bankkarte in der Hand hielt«, so die Hauswirtschafterin. Wichtig sei, dass die Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Der Verein hilft unter anderem dabei, den Arbeitsplatz der betroffenen Frau zu erhalten.

Ein völlig neues Lebensmodell

»Es ist eine unfreiwillige Wohngemeinschaft«, schildert Karin Homberg die Herausforderungen der Wohngemeinschaft im Frauenhaus. Müssen Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten einen Konsens finden, sich Regeln unterwerfen, überhaupt ein völlig neues Lebensmodell eingehen, ist das kein Zuckerschlecken. Es ist die Verwaltung eines Verlustes: Alle Bewohnerinnen des Frauenhauses geben ihr gesamtes Umfeld auf. Manche Frau kommt ohne Geld oder Ausweis an – von der Polizei aus der Gewaltsituation zu Hause gerettet, direkt aus Kliniken überwiesen, wo sie wegen Verletzungen behandelt wurde. Oft entschließt sich eine Frau nach Kontakten mit der Beratungsstelle, ins Frauenhaus zu gehen. Leicht fällt das keiner Frau.

Dass sie einen Koffer mit passender Kleidung gepackt hat, sei eher die Ausnahme. Dann greift eine Art Erste Hilfe. Im Frauenhaus bekommen viele Frauen als Erstversorgung eine »Notfall-Box«. Da sind zum Beispiel Sanitärartikel drin.

Luxus erwartet die Frauen im Frauenhaus nicht. Dafür Geborgenheit und Zuwendung. Gerade Kinder verlieren sehr viel. Sie mussten meist Kindergarten oder Schule wechseln. Die Freunde dürfen sie nicht besuchen. Dazu kommt die bange Frage: »Wo ist der Papa?«

Damit das Zusammenleben auf dem beengten Raum des Frauenhauses eine gewisse Struktur hat, gibt es Wochenplan, Zimmer-Protokoll und Hausversammlung zur Aussprache. Immer wieder betont das Vereinsteam, dass der Alltag in einem Frauenhaus hilft, den geschundenen und gedemütigten Frauen ihr Selbstwertgefühl wieder zurückzugeben. Kleine, eigentlich alltägliche Dinge sind für Menschen, die jahrelang nur Gewalt und Unterdrückung kannten, wie ein Traum aus einer anderen Welt. Die Bewohnerinnen versorgen sich und ihre Kinder selbst. Sie kaufen ein, kochen, halten ihr Zimmer in Ordnung und erledigen ihre Wäsche.

»Wir schauen uns die Ressourcen der betroffenen Frauen an«, so das Team. Dann versuche man, dort zu fördern. Selbst ein Mittagessen auf den Tisch zu bringen, ohne dafür ausgeschimpft zu werden, ist eine neue, gute Erfahrung.

 

Leser helfen

Aktueller Spendenstand: 8.165  Euro

 

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

______________________________________________________________________________________________________

„Leser helfen“

„Leser helfen“ fürs Frauenhaus: Sabine hatte Todesangst

Autor: Ursula Groß

Lesezeit 4 Minuten

Jetzt Artikel teilen:
07. November 2018

Die diesjährige »Leser helfen«-Benefizaktion soll ein dringend benötigtes zweites Frauenhaus in der Ortenau ermöglichen. Das Spendenziel von 150 000 Euro ist ehrgeizig, aber erreichbar – falls so viele Spender wie möglich mitmachen. ©Peter Steffen/dpa

Als er ihr drohte, sie an den Haaren in den Wald zu ziehen, kroch Todesangst in Sabine (32) auf. Dem häuslichen Martyrium durch ihren gewalttätigen Mann setzte sie ein Ende: Sie und ihr Kind flüchteten ins Ortenauer Frauenhaus, das Untersützung dringender denn je nötig hat. »Leser helfen« heißt deshalb das Gebot der Stunde.

Zu Beginn des Gesprächs wirkt Sabine (32, Name von der Redaktion geändert) offen und fröhlich. Sie berichtet, dass sie ihre Ausbildung als Erzieherin bald abschließen kann. Im Arm hält sie ihr zweites Kind, ein Junge, »er ist zehn Monate alt«. Alles sei gut, ihr jetziger Freund, Vater des Kleinen, sei liebevoll und fürsorglich. »Ich kenne ihn seit meiner Jugend«. Dann geht ihr Blick zu Monika Strauch, Geschäftsführerin im Vorstand des Vereins »Frauen für Frauen«. »Ohne eure Hilfe wüsste ich nicht, wo ich heute stehen würde«, sagt sie und Sabines Augen werden feucht. Nach leidvollen Jahren der körperlichen und seelischen Misshandlung durch ihren damaligen Mann hatte sie den Schritt ins Frauenhaus gewagt.

Bruchstückhaft kommt heraus, was die junge Frau in dieser Beziehung erlebt hatte. »Ich war früh verheiratet, es war Liebe.« Keine finanziellen Sorgen, der Ehemann hatte Arbeit, Sabine lernte. Um das Glück zu vervollständigen, wurde sie mit 25 Jahren schwanger. »Mit der Geburt des ersten Sohnes fing alles an.« Der frischgebackene Vater, wesentlich älter als Sabine, veränderte sich zusehends. »Er schien auf das Kind eifersüchtig zu sein«, vermutet sie heute. Zunächst habe er geschimpft, an allem herumkritisiert. »Ich konnte es ihm nie recht machen, ich habe mich gewehrt. Aber ich wurde immer unsicherer.« Wenn es ganz schlimm kam, flüchtete sie mit dem Kleinen ins Kinderzimmer. Bis heute kann der nun Neunjährige nicht in einem solchen Zimmer spielen. Er hatte alles mitbekommen, sagt seine Mama. Der Junge lebt in einem heilpädagogisch orientierten Heim, um wieder gesund zu werden.

Irgendwann kam es zu körperlichen Angriffen. »Ohrfeigen, manchmal hat er mich auf den Boden geworfen.« Sabine versucht, die Sache nicht so genau zu erklären. Er muss heftig zugeschlagen haben. Ist es Verdrängung, um die schlimmen Szenen nicht wieder in Gedanken durchleben zu müssen? Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Denn die junge Frau war acht Wochen vollstationäre Patientin in einer Klinik für seelische Erkrankungen. Der kleine Sohn blieb beim Vater, »deshalb ging ich wieder zurück nach Hause«.  »Ich bin für dich da«, habe er ihr versprochen. Was aber kam, war die nächste Stufe der Gewalt. »Ich ziehe dich an den Haaren in den Wald, dort findet dich keiner mehr«, drohte er. »Ich hatte Todesangst.« »Gleichzeitig begann er mein Umfeld zu kontrollieren«, er hat versucht, seine Frau zu isolieren.

Sabine ist Halbwaise, sie verlor ihre Mutter mit neun Jahren. »Wenn er getrunken hatte, wurde es noch schlimmer«, entschuldigt sie fast das Geschehen. Eine ganz typische Situation, viele Frauen nehmen damit ihre Peiniger in Schutz. Vorgekommen ist, »dass ich mehrere Male den Krankenwagen holen musste, weil er stark alkoholisiert  war«. Die meisten der betroffenen Frauen hoffen oft jahrelang, dass »er nie wieder etwas tun« werde. Das hat er doch unter Tränen versprochen, sogar Blumen mitgebracht.
Ein Trugschluss.

Wenn eine gewisse Hemmschwelle überschritten wird, steigert sich die Gewalt ins Uferlose, das wissen die Fachfrauen aus nahezu allen Frauenhausschicksalen. Sabine wusste vom Frauenhaus. Sie hatte Kontakt zu einer Mitarbeiterin der Beratungsstelle aufgenommen. Mit dem Kind und einer großen Tasche fuhr sie zu einem abgelegenen Parkplatz, wo sie von den Mitarbeitern des Frauenhauses abgeholt wurde.

»Die meisten Frauen flüchten nicht von heute auf morgen«, erklären Geschäftsführerin Monika Strauch und Sozialarbeiterin Marie Glaser. Eine große Gefahr, vor der sich die Frauen fürchten, birgt der Augenblick, in dem sie ihren Mann verlassen. Dieser kann lebensgefährlich sein. In der Ortenau kam es dabei schon mehrfach zu Tötungsdelikten.

 

Ziel sind 150.000 Euro: Benötigt werden die Spenden für Zimmereinrichtungen, Küchen, Spielgeräte, aber auch für zwei Fahrzeuge. Von denen ist ein Neunsitzerbus besonders wichtig.

 

Leser helfen

Aktueller Spendenstand: 6.404  Euro

 

Spendenkonten:

IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

Online spenden auf www.leser-helfen.de.

_____________________________________________________________________________________________________

Einrichtung für zweites Frauenhaus
Dossier: Leser helfen 2018/19

»Leser helfen«: Dafür wird das Geld benötigt

Autor: Wolfgang Kollmer
Lesezeit 2 Minuten

03. November 2018

Kein Komfort, aber es erfüllt den Zweck: Rund 2000 Euro kostet die Einrichtung eines Zimmers im geplanten zweiten Frauenhaus. 20 davon sind vonnöten. ©Ulrich Marx

 

Jeder Euro hilft, um das geplante zweite Frauenhaus in der Ortenau zu ermöglichen. Und es ist bitter nötig, hat sich der Beratungs- und Betreuungsbedarf innerhalb von nur vier Jahren doch verdreifacht. Deshalb heißt das Ziel von »Leser helfen«: 150 000 Euro.

346 Frauen haben 2017 die Fachberatungsstelle häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Stalking des Vereins »Frauen helfen Frauen Ortenau« kontaktiert, dreimal soviel wie 2013. Kein Wunder, dass das Frauen- und Kinderschutzhaus des Vereins mit neun Plätzen für Frauen und 10 für Kinder permanent voll ist und viele Hilfesuchende an andere Frauenhäuser vermittelt werden müssen. Mit einem zweiten Frauenhaus soll dies besser werden. Während der Landkreis größtenteils die Betriebskosten des Hauses finanziert, muss der Trägerverein »Frauen helfen Frauen Ortenau« zu 100 Prozent die Investitionen selbst tragen. Das geht nur über Spenden. Benötigt werden Spenden für Folgendes:

Einrichtung (Betten, Tische, Stühle) von 20 Zimmern.
Einrichtung für drei Aufenthalts- bzw. Essräume.
Drei Küchen mit jeweils zwei Küchenzeilen.
Einrichtungen für Büros, Spielzimmer, Gemeinschaftsräume (Werkraum, Versammlungszimmer, pädagogischer Bereich).
Toiletten und Duschen.
Spielgeräte, Sandkasten, Schaukel, Bänke und Ähnliches für den Außenbereich.
Ganz dringend benötigt werden zwei Fahrzeuge: einmal ein Neunsitzer-Bus, außerdem ein kleineres Auto für Erledigungen im Stadtgebiet.

 

Was der Verein leistet

Neben dem Betrieb des Frauen- und Kinderschutzhauses einschließlich einer angeschlossenen Übergangswohnung unterhält der Verein eine Fachberatungsstelle, die betroffene Frauen berät und nach Lösungsmöglichkeiten sucht, um auch ohne den Schutz des Frauenhauses auszukommen. Schließlich leistet der Verein, größtenteils ehrenamtlich, intensives Öffentlichkeits-und Präventionsarbeit, mit der häusliche Gewalt an Frauen öffentlich thematisiert werden soll.

Bild könnte enthalten: Schuhe

 

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

Online spenden auf www.leser-helfen.de.

_____________________________________________________________________________________________________
Spendenaktion »Leser helfen«

Die Spirale der Gewalt wird für Frauen zur Lebensgefahr

Autor:
Ursula Groß
31. Oktober 2018

Um der häuslichen Gewaltspirale zu entkommen, ist das Frauenhaus oft die einzige Rettung. ©dpa

Wie wichtig die »Leser helfen«-Spenden zugunsten eines zweiten Frauenhauses in der Ortenau ist, zeigt ein Blick auf die »Gewaltspirale«. So nennen die Fachleute das Martyrium, dem viele Frauen zu Hause ausgesetzt sind: Eifersucht, Kontrolle, Isolation, Demütigung, Gewalt, Drohungen – »Gewaltspirale« – das Eskalationsmuster ist immer dasselbe. In allen sozialen Schichten.

Dass Frauen jahrelanger häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, bevor sie Hilfe suchen, ist eine ständige Erfahrung, seit der Verein Frauen für Frauen Ortenau im Jahr 1982 gegründet wurde. Ziel war damals, betroffenen Frauen und ihren Kindern einen sicheren Platz zu ermöglichen.

Das Frauenhaus Ortenau öffnete im August 1983.  Das war eine kleine Sensation, denn Gewalt in der eigenen Familie, war ein lange verdrängtes Tabuthema. Gleichzeitig begann der Verein mit Beratung und Öffentlichkeitsarbeit. Häusliche Gewalt geht durch alle Bevölkerungsschichten. Bildung, Einkommen, Alter und Religionszugehörigkeit sind dabei bedeutungslos.

Schleichender Beginn

Die Gewalt beginnt oft schleichend, bevor sie eine Eigendynamik entwickelt, die für Frauen lebensgefährlich werden kann. Eine Informationstafel »Die Gewaltspirale« wurde von den Fachfrauen des Vereins ausgearbeitet. »Man hat mir irgendwann diese Liste gegeben«, berichtet eine ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses. »Ich hatte einen blauen Stift in der Hand, um zu unterstreichen, was zu mir passt. Und am Ende war alles blau, vom ersten bis zum letzten Punkt. Ich musste so sehr weinen.«

In Phase 1 der Gewaltspirale stehen Eifersucht und Kontrolle. Der Ehemann oder Partner mag es nicht, wenn sie sich mit Freundinnen oder Familie trifft. Er beginnt zu kontrollieren, wo sie ist, was sie gerade macht. Die Isolierung der Frau (Phase 2) wird mit psychischer Gewalt betrieben. Das kann auf eine Weise geschehen, die Zuneigung vortäuscht. Eifersucht kann eben auch schmeicheln.

Spirale dreht sich weiter

Die Spirale dreht sich weiter, nun bittet der Mann nicht mehr, er fordert (Phase 3). Mit Kritik, Demütigungen, Aufzeigen von Macht und Kontrolle über alle Lebensbereiche, wird die Partnerin verunsichert, ihr Selbstwertgefühl ist gebrochen.
Der erste Gewaltausbruch folgt:  Er schlägt zu (Phase 4). Vielleicht tut es ihm noch leid, »aber du hast provoziert«, schiebt er der Frau Verantwortung zu. Reue, Geschenke kommen sofort, er zeigt mehr denn je Zuneigung. Vielleicht war der Angriff nur ein Zufall, wiegt sich die Frau in Sicherheit. Man redet nicht über das, was passiert ist. Mit der Zeit entsteht ein großer Druck des Geheimhaltens. Oder »wir fangen noch einmal von vorne an«.

Das kann neue Verliebtheit mit sich bringen. Doch die Erfahrung zeigt, dass die meisten Männer, die einmal zugeschlagen haben, es wieder tun. Je länger die Gewaltbeziehung existiert, desto kürzer werden die Abstände zwischen den einzelnen Gewalttaten. Meist ohne Rücksicht auf die Kinder wird zu Hause geschlagen, getreten, verbrüht, eingesperrt, die Waffe gezeigt.

Die kritischste Stufe – die Phase 5 –  tritt ein, wenn die Frau die Situation ändern möchte. Damit, dass sie gehen will zum Beispiel. Nun wird massiv gedroht. »Ich bringe dich um. Du bekommst die Kinder nicht, ich bringe euch alle um.« Das sei ein absolutes Druckmittel, das viele in ihrer misslichen Lage ausharren lässt, erläutert Monika Strauch, Geschäftsführerin des Trägervereins des Frauenhauses. »Alle befragten Frauen haben uns im Gespräch mitgeteilt, dass sie Todesängste durchlitten haben.«

Ausraster aus dem Nichts

Die Gewaltspirale verläuft nicht immer linear. Zu Beginn kann auch ein »Ausraster« stehen, der völlig aus dem Nichts zu kommen scheint. Viele Täter empfänden die Gewalttat laut Strauch als etwas, das sie nicht kontrollieren können. Daher suchten sie die Gründe nicht bei sich selbst, sondern in äußeren Umständen (Alkohol, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder mit der Partnerin). Damit würden sie sich selbst entlasten und schieben dem Opfer die Schuld zu.

Hintergrund

Dafür wird das Geld benötigt

Vier Tage nach dem Start der Benefizaktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse am Samstag, 27. Oktober sind die ersten Spenden eingegangen: 2874 Euro stehen bereits auf den Konten. Das ist erfreulich! Aber bis zu unserem ehrgeizigen Spendenziel von 150.000 Euro ist es noch ein weiter Weg. Die ersten Anfragen wegen möglicher Sachspenden, die natürlich auch möglich sind, gab es gestern übrigens auch schon.

Mit dem Spendengeld soll der Verein Frauen helfen Frauen Ortenau unterstützt werden, der ein dringend benötigtes zweites Frauenhaus in der Ortenau eröffnen will, weil die Nachfrage misshandelter Frauen – leider – enorm ist. Mit den Spenden sollen 20 Zimmer möbliert, außerdem Küchen, Büros, Spiel- und Aufenthaltsräume finanziert werden. Nicht zuletzt werden Spielgeräte für den Außenbereich und zwei Fahrzeuge, darunter ein Neunsitzer, für Aus- und Besorgungsfahrten benötigt. Wichtig zu erwähnen ist: Alle Spenden kommen zu 100 Prozent an.

Info

So spenden Sie

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

______________________________________________________________________________________________________
Aktion der Mittelbadischen Presse / Ziel: 150.000 Euro

»Leser helfen« startet: Spenden für ein zweites Frauenhaus

Autor:
Ursula Groß
27. Oktober 2018

Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen, auch in der idyllischen Ortenau nicht. So muss der Trägerverein Frauen helfen Frauen, der das Offenburger Frauenhaus betreibt, jährlich 150 (!) schutzsuchende Frauen aus Platzgründen abweisen. Mit einem zweiten Frauenhaus könnte die Misere gelindert werden – wenn genügend Spenden zusammenkommen.

(Bild 1/3) Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen, auch in der idyllischen Ortenau nicht. So muss der Trägerverein Frauen helfen Frauen, der das Offenburger Frauenhaus betreibt, jährlich 150 (!) schutzsuchende Frauen aus Platzgründen abweisen. Mit einem zweiten Frauenhaus könnte die Misere gelindert werden – wenn genügend Spenden zusammenkommen. ©Peter Steffen/dpa

 

Die Mittelbadische Presse unterstützt mit ihrer 22. Benefizaktion »Leser helfen« das Frauenhaus in Offenburg, das viele Hilfe suchende, misshandelte Frauen aus Platzgründen nicht aufnehmen kann. Deshalb plant der Trägerverein Frauen helfen Frauen Ortenau ein zweites Frauenhaus. Kostenpunkt: 150.000 Euro. Redaktionsleiter Wolfgang Kollmer appelliert deshalb: »Spenden Sie!«

Über drei Millionen Euro haben die Leser der Mittelbadischen Presse in den vergangenen 21 Jahren für wohltätige Zwecke in der Ortenau gespendet. Ob große oder kleine Beträge – alle kamen von Herzen. Dass dies in den kommenden Wochen genauso sein wird, darauf hofft der Förderverein »Leser helfen«, der das Spendenziel von 150 000 Euro zugunsten des Ortenauer Frauenhauses anvisiert hat.

Das Geld geht eins zu eins dem Trägerverein Frauen helfen Frauen Ortenau zu. Der Verein setzt sich seit Jahrzehnten gegen häusliche Gewalt an Frauen und dadurch betroffene Kinder ein. Dazu betreibt er ein Frauen- und Kinderschutzhaus, sowie eine Übergangswohnung. Parallel wird eine Fachberatungsstelle zu häuslicher Gewalt, Zwangsheirat und Stalking unterhalten.

»Ins Frauenhaus geht niemand freiwillig«, sagt Geschäftsführerin Monika Strauch. Ein oft langjähriges Martyrium gehe voraus, bevor eine Frau den Mut fasse, sich beim Verein zu melden. Umso schlimmer, wenn sie dann keinen Platz mehr findet. Häuser und Beratungsstellen sind bis an die Belastungsgrenze beansprucht. Strauch: »Pro Jahr müssen wir etwa 150 schutzsuchende Frauen, meist mit Kindern, wegen Vollbelegung abweisen.« Das bedeutet, sie in die gefährliche häusliche Situation zurückschicken.

 

 

Frauenhaus auch Kinderhaus

Daher hat sich das Frauen-helfen-Frauen-Team ein Herz gefasst und beworben. Die Kapazität des Frauenhauses soll mit Hilfe der Spender auf 20 Plätze für Frauen erweitert werden. Bislang sind es neun Plätze für Frauen und zehn für Kinder. Der Ortenaukreis hat dem Erweiterungsplan zugestimmt. Er übernimmt die laufenden Unterbringungs- und Betreuungskosten, doch der Verein muss für Umbau und Einrichtung zu 100 Prozent selbst aufkommen.

Der große Wunsch: Ausstattung und Möbel für 20 Zimmer, für Gruppenräume und kleine Küchen. Und da ein Frauenhaus auch immer ein Kinderhaus ist, könnte die Spende unserer Leser für Spielräume, Kinderzimmer und für einen Spielplatz im Außenbereich sorgen. Als weiteres Spendenziel wird die Anschaffung von Fahrzeugen genannt. Es gilt jeden Tag Behördengänge, Einkäufe und Besorgungen zu erledigen. Ein bis zwei Fahrzeuge mehr würden das erleichtern.

Beim Besuch in den Räumen ist weniger als Einfachheit der Einrichtung auszumachen. Da steht etwas verloren ein Kinderbettchen neben dem schmalen Bett der Mutter, Waschmaschinen, Trockner rotieren ununterbrochen.
Gerade für die Kleinsten, die ganz früh Leid und Angst erfahren, wäre es schön, wenn die Schutzzeit im Frauen- und Kinderhaus eine vielleicht bislang gar nicht gekannte, häusliche Wärme bringt. Ein bisschen wenigstens. Auch hier würde die

Spendenbereitschaft der Leser enorm helfen. Kinder leiden beträchtlich, sie werden Zeuge, wenn der Papa die Mama schlägt, fühlen sich hilflos, verlieren Vertrauen.

Aus allen Schichten

Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen. Auch in der idyllischen Ortenau nicht, dem Einzugsgebiet des Vereins. Man spricht davon, dass bundesweit jede vierte Frau in ihrem Leben davon betroffen ist. Sie kommt in allen Schichten der Bevölkerung vor.

Damit ein Neuanfang, ein gutes Leben von Familien gelingen kann, dafür steht der Verein Frauen helfen Frauen mit Schutzraum, Beratung, Vorsorge und Begleitung.
»Ohne das Frauenhaus hätte ich nicht überlebt«, erinnert sich eine ehemalige Bewohnerin. »Ich bin unendlich dankbar für diese Hilfe«, fügt sie an.

Info

Wo Sie spenden können

Volksbank in der Ortenau
IBAN DE03 664 900 00 000 2771403

Sparkasse Offenburg/Ortenau
IBAN DE89 664 500 50 0000 530700

Online spenden auf www.leser-helfen.de.